Hoffnungsfunkeln

Hoffnungsfunkeln

Nein, kein Schreibfehler: Funken glühen kurz auf, um dann zu erlöschen. Die wenigsten entfachen ein Feuer. Ein Funkeln hat da vielleicht mehr Beständigkeit. Und es taucht immer wieder und aus verschiedenen Blickwinkeln auf. Während unseren Tagen auf der Mathisleweiherhütte brach sich das Funkeln immer wieder Bahn. Zumindest für mich, hoffentlich für die anderen teilnehmenden Lazaraner auch. Dazu gleich mehr.
Ich hatte verschiedene Ziele im Sinn, als ich mich gemeinsam mit Joel und Calvin auf den Weg nach Hinterzarten machte: Die Hirsche und Schneeeulen sollten mich, meine pfadfinderischen Schwerpunkte und meine Gedanken zur Zukunft des Stammes kennenlernen. Und umgekehrt wollte ich sie kennenlernen. Ihre Vorstellungen darüber, wie es weiter gehen sollte und was ihnen wichtig ist. Dazu diente vor allem der Programmpunkt Zukunftswerkstatt. In den Gilden und der Streife ging es um Begeisterungsfähigkeit, dass sich Einlassen auf Neues und auch Ausdauer und Frustrationstoleranz. Daneben wollte ich natürlich alle motivieren und begeistern, durch das Nachtgeländespiel zum Beispiel und am „Bunten Abend“ war Kreativität und Teamarbeit gefragt.
Und auch die Zusammenarbeit der Führerrunde sollte sich bewähren.

Wieder zurück zum Funkeln: Damit möchte ich optimistisch stimmende Beobachtungen und Erfahrungen während unserer gemeinsamen Zeit beschreiben. Zunächst ein großes Funkeln, eigentlich schon ein Strahlen: Wir waren uns einig, dass wir den Stamm retten möchten und dass wir zusammen auch durch unser aktives, zuverlässiges Tun und Mitgestalten das schaffen möchten. In diesem Zusammenhang fielen Stichworte wie Stammesgemeinschaft, gemeinsame, typisch pfadfinderische und lazaranische Aktionen, Hilfsbereitschaft, Engagement und Ausstrahlung.
Gefunkelt hat es auch, als alle Sipplinge bekundeten, ihre Mithilfe noch auszuweiten zu können und die verschiedenen Gruppenarbeiten direkt zu unterstützen.
Aber es funkelte auch so immer wieder: Wie der Küchendienst übernommen wurde, wie miteinander umgegangen wurde, wie Herausforderungen angenommen wurden und auch wie das Programm begeisterte.
Für mich war es ein besonderes Erstrahlen, als Teile der „Hirsche“ ihre Entscheidung verkündeten, im Stamm bleiben zu wollen.

Mich haben diese Tage sehr motiviert und vor allem neue Hoffnung geschenkt: Da sind junge, begeisterungsfähige Menschen, die sich mit Elan und Einsatz in das Pfadfinderleben stürzen möchten und diese Menschen sind in unserem Stamm!
Natürlich gibt es noch Stolpersteine, aber vielleicht entpuppen diese sich als funkelnde Edelsteine.

Hoffnung, ein gutes Gefühl und eine noch bessere Einstellung. Passend auch für die baldige Adventszeit….

    

Harmonie

Harmonie

Beim Nachdenken über unseren Stamm kam bei mir durch einen Impuls von außen die Frage auf, ob unsere Gemeinschaft harmonisch war und ist. Was ist eigentlich Harmonie? Alle verstehen sich prima und sind glücklich miteinander? Kein Streit und Ärger weit und breit? Stetiges Verzeihen und Vergeben? Oder wird einfach eine Decke der Harmonie über alles geworfen, so dass es nach außen toll wirkt und innen drinnen die Hölle tobt?
Nach einiger Zeit bin ich auf folgendes gekommen:
Harmonie bedeutet erst einmal überhaupt nicht, dass alle allerbeste Freunde sein müssen. Allerdings meine ich aber auch, dass es eine respektvolle Haltung und einen dementsprechenden Umgang miteinander geben muss.
Mir kam das Bild einer Gitarre (ich bin ganz bestimmt nicht der Erste mit dieser Idee): Die einzelnen Saiten sind alle unterschiedlich. Sinn macht aber erst das Zusammenbringen dieser 6 Einzelteile. Sie müssen richtig angeordnet und dann gestimmt werden. Richtig kombiniert und eingesetzt, erklingen harmonische Akkorde.
Übertragen auf den Stamm und vielleicht auch auf die Sippe: Eine Gemeinschaft besteht aus unterschiedlichen Individuen. Jede*r braucht seinen sicheren und passenden Platz, um sich mit seinen Fähigkeiten entfalten zu können. Eine klare Aufgabe und Verantwortung. Und er/sie muss die Bereitschaft mitbringen sich für ein gemeinsames Ziel „einspannen“ zu lassen.
Und dann muss es jemanden geben, im Idealfall der/die Stammesführer*in oder vielleicht auch die Stammesführung, der /die an den richtigen Stellen drückt, alle in Bewegung bringt und das Lied kennt. Und dann sollte doch das gemeinsame Erreichen des Zieles als beglückend und als Harmonie empfunden werden und nach außen weiter schwingen und auch nicht unmittelbar Beteiligte erfassen… Und die Saiten sollten (Mitglieder*innen) dadurch doch auch bereit und Vorfreude für den nächsten Griff (die nächste Aktion oder der nächste Schritt im Stammesleben) sein…

Viele, verschieden gestimmte Saiten geben erst Harmonie.
Joseph von Eichendorff
P.S.: Mit meinem Bild kann ich mich also tatsächlich hinten anstellen 🙂

Weichen stellen

Weichen stellen

Nun wird es Zeit, im Hinblick auf die Zukunft des Stammes konkreter zu werden.
Wenn es auch keine Garantie für das Gelingen gibt, so ist die Umsetzung der folgenden Punkte aus meiner Sicht unabdingbar, um überhaupt die Chance auf einen Fortbestand der Lazaraner zu haben…

Aber das entscheide ich nicht alleine.
Das Stammesthing am 13. Oktober wird darüber abstimmen und die Weichen stellen.

* Konzentration auf die Stammesarbeit
* Konzentration auf Schulung und Ausbildung
* Verbesserung der stammesinternen Kommunikation und des wertschätzenden Umgangs miteinander
* Straffung der Stammesstrukturen und der Stammesorganisation
* Verbindlichkeit nach Innen und Verlässlichkeit nach Außen
* Entwicklung einer gemeinsamen Vision
* Dauerhafte Lösung der Konflikte
* Adäquate Besetzung der Ämter
* Verbesserung der Elternarbeit
* Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde

Versprechen

Versprechen

Versprechen… ein wichtiges Element in unserem Pfadfinderleben.
Ich erinnere mich gut an meine eigenen; vor allem meine Jungpfadfinder- und meine Kreuzpfadfinderaufnahme sind mir im Gedächtnis geblieben. Als Sippenführer, aber vor allem als Stammesführer war es mir immer wichtig, für einen feierlichen Rahmen zu sorgen. Dabei waren der Ort und die Art und Weise des Rituals, sowie die vorausgehenden Gespräche von großer Bedeutung. Alles sollte die Ernsthaftigkeit und das Besondere eines Versprechens widerspiegeln. Ich wollte nie, dass diese Ereignisse zur Routine wurden und gab mir Mühe, die richtigen Worte für mein Gegenüber zu finden.
Wichtig war mir auch zu vermitteln, dass die vor einer Gemeinschaft laut gesprochener Sätze keine leeren Formulierungen sein sollten, sondern auch Grundlage für das alltägliche Leben waren.

Wenn also die verschiedenen Aufnahmen und die damit verbundenen Schritte unseres Pfadfinderseins tatsächlich so bedeutsam sind, muss meiner Meinung nach der folgenden Frage gestellt werden:
Können wir von diesen Versprechen, sinnvoller Weise wohl vom letzten, auf eigenen Wunsch hin entbunden werden?
Wäre es nicht viel schöner und ehrlicher, wenn man vielleicht auch in einer feierlichen Runde oder aber gegenüber einer entsprechenden Vertrauensperson bewusst diesen Schritt geht?

Und auf der anderen Seite wäre es doch stärkend und bereichernd, wenn man nach einer gewissen, vielleicht selbstgewählten Zeit sein Versprechen nochmals bekräftigen könnte….

Haltung

Haltung

Bei der Suche nach weiteren Puzzle-Teilen, um Probleme und Lösungen im und für den Stamm zu finden, kamen mir folgende Gedanken:
Auch vor uns machen gesellschaftliche Entwicklungen und Strömungen nicht halt.
Das Pfadfinder-Sein nimmt bei den Kindern und Jugendlichen meist nur wenig Raum im alltäglichen Leben und im pädagogischen Wirken ein. Andere Einflüsse und Prägungen haben, im Guten wie auch im Schlechten, wesentlich mehr Raum.
Zwei der doch sehr vielen, oft besorgniserregenden Tendenzen möchte ich hier herausgreifen:
Einmal die Haltung des Konsumierens und danach den Egoismus. Beide sind eng miteinander verknüpft.
Ersteres möchte ich mit „möglichst viel nehmen und dabei möglichst wenig geben“ beschreiben. Oder „möglichst viel Spaß, aber bitte ohne mich anstrengen zu müssen“
Wenn wir genauer hinschauen, auch bei uns selbst, entdecken wir viele Beispiele (es ist an dieser Stelle ganz schön schwer, nicht mit dem „moralischen Zeigefinger“ herumzuwedeln…
…und noch etwas: all die Beispiele kann man selbstverständlich nicht verallgemeinern, sie sollen zum Nachdenken anregen…):

Eltern übernehmen sämtliche Kosten für neue Anschaffungen (Fahrräder, PC, Reisen…), ohne dass sich die Kinder in irgendeiner Form daran beteiligen können/müssen.

Das Pausenvesper wird beim Bäcker gekauft, am besten vom Kind selbst.

Kinder und Jugendliche werden überall hingefahren.

Wenn etwas kaputt geht, wird es einfach wieder neu gekauft.

Und um es im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze zu treiben: immer mehr Touristen lassen sich mit dem Hubschrauber nahe an den Gipfel des Mount Everest fliegen, um dann die letzten Meter zum Gipfel „hochzuspazieren“.

Wirklich erschreckend finde ich, dass es als besonders „smart“ gilt, wenn man ohne Anstrengung sein Ziel erreicht hat. Und es dabei keine Rolle spielt, ob dabei jemand anderes zu Schaden gekommen oder „auf der Strecke“ geblieben ist.
Da wären wir bei der zweiten Tendenz: Es geht vermehrt um die Befriedigung der eigenen Interessen. Diese werden an erste Stelle gesetzt und lassen kein Platz für andere Gedanken oder vielleicht auch selbstloses Verhalten.

Nun zu unserem Stamm.
Wir möchten etwas anderes …oder?

Auch bei uns kann man konsumieren, ohne sich groß einbringen zu müssen:
Wir gehen einfach auf eine Bundesaktion und genießen die Angebote und die anderen Pfadfinder.
Da ist ein großes Lager… komm, da fahren wir noch schnell hin.
Ein Singewettstreit, der war letztes Jahr schon so toll…
Auf zum Kirchentag (Das Helfen ist schnell erledigt und die Partys abends sind legendär)
Die Hofakademie, da treffen wir wieder den … und die….

Um gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Es spricht nichts dagegen, die aufgelisteten Veranstaltungen zu besuchen, aber es muss ebenso legitim sein, die eigene Haltung dazu zu überprüfen. Und um hier im Kontext zu bleiben: Nehme ich die Aktionen einfach nur so mit und genieße sie für mich selbst? Oder steht da mehr dahinter?

Die Leitfrage unseres alltäglichen Lebens, unseres Lebens als Pfadfinder und Mitglied im Stamm darf doch nicht sein: „Was nützt das mir?“ und „Was stärkt mein Wohlbefinden?“.
Wie sollten uns doch viel mehr die Fragen: „Was ist richtig?“ und „Was dient dem jeweiligen Ganzen?“ stellen.

Zusammengefasst:
Es ist sehr schwer, eine Gemeinschaft in der Sippe und dem Stamm aufzubauen und zu erhalten, wenn deren Mitglieder es nicht gelernt haben, dass Anstrengung und das „sich investieren“ eine Grundvoraussetzung dafür ist.
Und es ist fast unmöglich, die Lebendigkeit und den Fortbestand einer Gemeinschaft zu ermöglichen, wenn der Fokus auf der Befriedigung individueller, schnelllebiger Interessen liegt.

Es geht also darum, alternative Wege aufzuzeigen und vor allem vorzuleben. Zu zeigen, dass sich das Einbringen von Zeit und Kraft in eine Gemeinschaft, in anderen Menschen, in Werte und gemeinsame Ziele zwar anstrengend sein kann, aber auch glücklich und zufrieden macht.
Das solch ein Investieren einem eine Sinnhaftigkeit und eine innere Entfaltung schenken kann.

Wenn wir solch ein Einbringen vielleicht sogar als eine Form der „Liebe“ betrachten können, dann macht der folgende Spruch von Albert Einstein doch Mut.

„Die Liebe ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.“

Hoffnung

Hoffnung

Ich habe in den vergangenen Jahren, eigentlich muss ich sogar Jahrzehnten sagen, sehr viel Energie umd Zeit in die Pfadfinderarbeit gesteckt. Nicht selten litt meine Familie und Nicht-Pfadfinder- Freunde darunter, wenn sie auch vieles mittrugen und mich unterstützten.
Bei der Zurverfügungstellung des Stammesführeramtes versuchte ich deutlich zu machen, welche Gefahren meiner Meinung nach nun bestehen würden und bot auch meine weitere Mithilfe an.
Vor allem die Befürchtung, dass vieles von dem, was wir über die Jahre erreicht und erhalten haben, rasend schnell verloren gehen würde, trieb mich um. Gleichzeitig war mir natürlich klar, dass den neuen Stammesführern/innen genügend Frei- und Gestaltungsräume gegeben werden musste.
Nach und nach zog ich mich immer mehr zurück, hin- und hergerissen zwischen Hoffen und Bangen.
Schließlich, nach dem Stammesjubiläum 2013 zog ich mich dann ganz aus dem aktiven Stammesleben zurück. Um es hier noch einmal deutlich zu machen: Mir ging es nie um ein Festhalten an den alten (bewährten?) Regeln und Strukturen um der Nostalgie willen oder „weil es wir schon immer so gemacht haben“. Mir ging es um das gemeinsam geschaffene Niveau, das wir oft als „lazaranisch“ beschrieben. Unsere Gemeinschaft, unsere Aktionen und unser Reflektieren….
Mir war auch klar, dass es sehr schwer sein würde, dass alles Aufrechtzuerhalten….
Als meiner subjektiven Wahrnehmung nach immer schlechter lief, zog ich mich aus zwei Gründen noch weiter zurück:
Ich kam mit schlechter Laune von den meisten Aktionen zurück und ich wollte nicht als nörgelnder, alles besserwissender „Altpfadfinder“ in Erscheinung treten.

Und nun liegt leider vieles im Argen und es fällt mir sehr, sehr schwer den nötigen Schwung, den Enthusiasmus für meine Aufgabe aufzubringen. Wenn auch viele mir gegenüber kundtun, dass sie sich freuen, dass ich wieder aktiv bin, müsste allen klar sein, dass nur ein großes Dilemma meinen Wiedereinstieg ermöglicht hat.
Ich hätte mich vielmehr über einen, von mir aus geschrumpften Stamm gefreut, der lebendig ist, der eine fantastische Gemeinschaft ermöglicht und die gewisse Ausstrahlung und die inneren Werte hat.

Gerade habe ich das Buch „Wer wagt, beginnt“ von Robert Habeck, dem grünen Parteivorsitzenden, zu Ende gelesen und darin zitierte er Havel, einem tschechischen Dramatiker, der dann 10 Jahre lang (1993 bis 2003) der Staatspräsident der tschechischen Republik war.
Dieses Zitat erregte meine Aufmerksamkeit und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass ich mit diesem Leitspruch wieder einen Zugang zu den bevorstehenden Aufgaben bekommen kann…

Es lautet:
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Jugend führt Jugend

Jugend führt Jugend

Jugend führt Jugend

Als ein wesentliches Merkmal unserer Pfadfinderarbeit wird das Prinzip „Jugend führt Jugend“ genannt.
Mir begegnete dieser Grundsatz im Laufe meines nun doch schon recht langen Pfadfinderseins in der Hauptsache als Argument, weshalb Erwachsene ab einem nicht weiter definierten Alter nichts mehr in der aktiven Jugendarbeit zu suchen haben oder aber als Grund, seinen eigenen Rückzug zu begründen.
Ich empfand den Umgang damit schon immer problematisch und oft auch undifferenziert.
Vor allem, weil ich es in unserem Stamm ganz anders erlebt habe.
Nun soll dieser Text keinesfalls ein Plädoyer für mich als kommissarischen Stammesführer werden,
ich möchte vielmehr mal genauer hinschauen, weil hier vielleicht ein Teil der aktuellen Problematik zu suchen ist:

Erst einmal zwei Definitionen:
Als Jugendliche und Jugendlicher werden je nach Ursprung der Definition Menschen ab dem 14. Lebensjahr bis zum 18. oder aber bis zum 25. Lebensjahr bezeichnet.

Als „Führen“ wird bei uns das Vorangehen, das Mitmachen und das Prinzip „ich verlange von den anderen nur das, was ich auch selbst leisten kann“ verstanden und unterscheidet sich nach meinem Verständnis vom „Leiten“, weil sich hier der Verantwortliche oder die Verantwortliche aus dem gemeinsamen Tun heraushält und nur von außen Anweisungen gibt.

Im Grundsatz sehe ich das Prinzip „Jugend führt Jugend“ auch als ein Ideal an: 14jährige Sipplinge gehen mit ihren 2 oder 3 Jahre älteren Sippenführer durch dick und dünn und bilden eine verschworene Gemeinschaft.

Schwieriger wird es auf der Ebene des Stammes, gerade, wenn er so groß und aktiv ist, wie er zu unserer Hoch-Zeit war. Ein vielleicht 20jähriger soll die Verantwortung und die Organisation für über 100 hundert Pfadfinder/innen übernehmen, sie inhaltlich voranbringen und die nicht vermeidbaren Krisen managen? Soll seine Frau, seinen Mann vor den Eltern, der Gemeinde und vor sonstigen Institutionen stehen? Die vielen großen und kleinen Dinge, die notwendig oder gewünscht sind, umsetzen? Der Vergleich zu einer Firma mit einer entsprechenden Anzahl von Mitarbeitern hinkt da gar nicht so sehr….
Eine Überforderung ist dann nicht weit entfernt und ein „Ausbrennen“ schnell erreicht…
Hilfe bietet da natürlich eine funktionierende Runde an Mitverantwortlichen.
Nun kommt aber mehr als erschwerend hinzu, dass mit dem G8 und der gesellschaftlichen Entwicklung (Mobilität, Unverbindlichkeit) Menschen in dem entsprechendem Alter vor Ort fast nicht mehr zu finden sind. Meistens ruht dann alles auf den Schultern Einzelner oder aber das Alter sinkt weiter und die oben beschriebenen Effekte treten noch verstärkt auf. Weiter verschärft dann durch die notwendigen schnellen Wechsel alle ein bis zwei Jahre…

Als junger 16 jähriger Sippenführer übernahm ich zwar die Verantwortung für eine Gruppen von Jungen, aber mit Dieter Nözel stand jederzeit ein Ansprechpartner und Begleiter zur Verfügung und auch später mit der aktiven Älterenschaft, bestehend eben mit Erwachsenen bis über 60 Jahre alt, war ein Rahmen geschaffen, der Vieles erst ermöglichte.

Mein Ideal eines Stammes sieht also wie folgt aus:

Mehrere aktive und gestandene Ältere übernehmen vor Ort Schlüsselpositionen wie die Stammesführung, den Kassenwart, Feldzeugwart, die Meutenführung und vielleicht noch den Schulungswart.
Jugendliche übernehmen Verantwortung als Meutenhelfer, Sippenführer und Stammesführerstellvertreter und für einzelne Projekte und Aktionen.

Dieses Modell steht oder fällt mit folgenden Bedingungen:

Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen auf einer gleichberechtigten Ebene
Die Kommunikation funktioniert (auch und gerade in Krisensituationen)
Die Älteren lassen den Jüngeren die entsprechenden Freiräume
Die Jüngeren akzeptieren die Älteren mit ihrem Erfahrungsschatz
Der Umgang miteinander basiert auf respektvollen, freundschaftlichen und ehrlichen Grundsätzen.
Es gibt eine gemeinsame Basis (die regelmäßig reflektiert werden muss) und gemeinsam entwickelte Zielen (Visionen).
Es gibt regelmäßige Begegnungsmöglichkeiten mit einem intensiven Austausch

Bestimmt gibt es bei meiner „Idee“ noch einige „Knackpunkte“ und auch „Brennpunkte“ im Sinne von Konfliktpotenzial, aber vielleicht wäre das ein zukunftsträchtiger Weg, der auch flexibel auf neue Entwicklungen reagieren kann…

Und das Prinzip des „Lebenspfadfindertums“ hätte konkrete Anknüpfungspunkte und auch eine Sinnhaftigkeit.

erste Schritte

erste Schritte

Ich habe mit dem Zuhören begonnen, ein zeitaufwendiges, aber ungemein wichtiges Unterfangen.

Gespräche fanden schon mit der scheidenden Stammesführererin und mit unserem Gauführer statt. Als nächstes kommen die beiden Stammesführerstellvertreter und die „im Dienst stehenden“ SippenführerInnen dran, dann unser Gemeindediakon und weitere unmittelbar vor Ort aktiven Lazaraner.

Weiter geht es mit dem großen Kreis der Stammesmitglieder, die sich verbunden fühlen, aber sich nicht mehr (regelmäßig) am Stammesleben beteiligen können (wollen). Wenn man so will, haben wir aktuell 3 Älterenschaften und recht viele Einzelpersonen, die man diesem Bereich zuordnen kann…

Und schließlich die Sippen und die Meute….

Beim Treffen des Fördervereins war ich auch und ich konnte kurz ein Mitglied über meine Gedanken informieren.

Es wird schwierige Gespräche geben und ich habe mit der Verantwortung für den Stamm (wenn auch kommissarisch) auch eine undankbare Rolle angenommen. Es gilt manche unangenehme Entscheidung zu treffen. Ich weiß nicht, ob ich das für alle nachvollziehbar hinbekomme…

Parallel zu den Gesprächen möchte ich die Kommunikationswege etwas „straffen“:

In dem Verteiler der „Leiterrunde“ sollen wirklich nur noch Mitglieder der selbigen sein. Es wird einen zweiten Verteiler mit dem Namen „Lazaraner“ geben. Hier können allgemeine Informationen ausgetauscht werden, allerdings muss man sich hierfür anmelden. Und einen für die Eltern aktiver Minderjähriger.

Die Mitgliederliste werden wir überprüfen, Mitglieder gegebenenfalls anschreiben, um ihren Status festzustellen und somit hoffentlich eine noch effizientere Verwaltung hinzubekommen.

Der Jahresplan wird überprüft, gestaltet und kann hoffentlich zum nächsten regulären Thing (digital und/oder analog) veröffentlicht werden.

Als Gedanken schweben mir noch folgende Ideen durch den Kopf:

  • Planung und Durchführung einer Stammesklausur, um intensiv nach den „roten Faden“ zu suchen. (Zum „Faden“ schrieb ich schon etwas…)
  • Schulung der Stammesmitglieder mit Verantwortung
  • Einen Rahmen schaffen für ein ruhiges, konstruktives Miteinander
  • Gestaltung der „Leiterrunden-Treffen“
  • „Aufbau“ einer Stammesführerschaft in der entsprechenden Generation
  • Gemeinsames Finden einer Zukunftsvision

Bei alldem bin ich auf konstruktive Kritik, Unterstützung  und Wohlwollen angewiesen…

Nun gilt aber:

Einen Schritt nach dem anderen….

Roter Faden

Roter Faden

Laut Wikipedia hatte die britische Marine all ihr Tauwerk mit einem roten Faden versehen, welcher nicht entfernt werden konnte, ohne die Seile zu zerstören. So war eine eindeutige Zuordnung möglich.

Goethe griff den Gedanken auf und transferierte ihn in ein philosophisches Sinnbild, welches sich schnell ausbreitete.

E. T. A. Hoffmann schrieb zum Beispiel in seinem Roman „Die Serapionsbrüder“:

„Goethes schönen Gedanken vom roten Faden, der sich durch unser Leben zieht und an dem wir, ihn in lichten Augenblicken gewahrend, den über uns, in uns wallenden höheren Geist erkennen“.

Mein Wunsch ist es, diesen gemeinsamen „Geist“  im Stamm zu suchen und ihn dann auch zu finden.

Denn ich meine, wir haben unseren Faden verloren.

Er war schon immer flüchtig wie Rauch, der aus der Kohte stieg.

Unablässig war es nötig, ihn zu bestimmen und uns nach ihm auszurichten. 

Nun heisst es, sich gemeinsam wieder auf die Suche zu machen. Den Pfad finden.

Uns selbst zu prüfen, unsere Gemeinschaft  zu prüfen, Strukturen und  Entwicklungen zu überdenken und uns gegebenenfalls neu auszurichten, vielleicht sogar „neu zu erfinden“…

Diese Reihenfolge ist bewusst gewählt.

Das wird kein leichter Weg. Das wird anstrengend und herausfordernd. Und das Gelingen ist nicht garantiert….

Alleine ist das nicht zu schaffen,  nur als Gemeinschaft …..

Diese Suche soll transparent sein, nachvollziehbar.

Impulse von aussen ermöglichen.

Deshalb dieser Blog.

Bald…

Bald…

…nachdenken, zuhören, wieder nachdenken, Visionen entwickeln, Gemeinsamkeiten finden, Transparent sein, informieren, teilhaben lassen…

Unseren Pfad, unseren roten Faden wieder finden.